Es fällt mir schwer, mein Kind traurig zu sehen!

Als Erwachsene und speziell als Eltern sehen wir unsere Kinder sehr ungern traurig. Es fällt uns schwer, ihnen den freien Raum zu lassen, diese Emotionen ausleben zu können. Vor allem weinende Kinder lösen in uns das Verlangen aus, diese Traurigkeit loszuwerden, abzuschütteln wie das überflüssige Winterfell unserer Vierbeiner. Jedoch möchten vor allem diese Gefühle ernst genommen und akzeptiert werden.

So schnell huscht uns ein „ist doch schon wieder gut“ oder „hör jetzt auf mit weinen“ über die Lippen, obwohl wir doch so genau wissen, dass es in der Gefühlswelt unserer Kinder eben noch nicht gut ist, sonst würden sie ja jetzt nicht weinen.

Warum fällt es uns also so schwer, wenn bei unseren Kindern dicke Tränchen die Wangen runter-rollen, diese Gefühle zu akzeptieren und ihnen Zeit und Raum zu geben? Hierfür gibt es ganz unterschiedliche Gründe, die aber gemeinsam das große Ganze ausmachen. Und wenn wir uns darüber im Klaren sind, was uns selbst bewegt, können wir unsere Kinder viel besser unterstützen.

An erster Stelle steht da natürlich unser Gehirn. Genauer gesagt unsere Spiegelneuronen. Sie sind für bestimmte Empfindungen und unser soziales Verhalten verantwortlich. Forscher haben in mehreren Untersuchungen herausgefunden, dass unsere kleinen Spiegelneuronen uns selbst das fühlen lassen, was andere empfinden (z.B. Wut, Freude, Ärger, Schmerz). Sie erzeugen Intuitionen, die uns ahnen lassen, wie sich die andere Person gerade fühlt. Umso mehr unser eigenes Empathievermögen ausgeprägt ist und umso näher uns die Person steht, desto stärker fühlen wir die Emotionen mit.

Wo wir gerade bei unserem Gehirn sind, fällt hier noch eine zweite Sache stark ins Gewicht, und zwar unsere eigenen inneren Prägungen. Häufig werden sie als unser inneres Kind bezeichnet. Sie sind die Summe unserer kindlichen Erfahrungen und sind fest in unserer unbewussten Psyche verankert. Um hier an dieser Stelle intensiver darauf einzugehen, würde es den Rahmen sprengen, aber um es kurz zu fassen: Ja wir reagieren häufig so, wie es schon unsere Eltern getan haben. Wir übernehmen unbewusst ihre Verhaltensweisen. Wenn in der Familie also schon immer ein schwieriger Umgang mit intensiven Gefühlen der Wut oder Trauer geherrscht haben, so fällt es uns umso schwerer. Beobachten wir einfach mal unsere Eltern im Umgang mit unseren Kindern und ihren Gefühlen und wir werden auch hier einige Parallelen finden.

Und dann sind da neben unserem Gehirn auch noch Hormone. Sie steuern und regulieren unsere Gefühlswelt. Schon Mütter von Säuglingen fällt es schwer, ihre Kinder weinen zu hören. Warum? Der Säugling war in der Steinzeit auf unsere ständige Aufmerksamkeit angewiesen, sonst wäre er schnell gestorben. Weint also ein Baby, schütten wir Cortisol und weitere Stresshormone aus. So sagt uns unser Steinzeitgehirn bis heute: „Kümmere dich!“  Weinen unsere Kinder, löst es also auch in uns Stress aus. Was hier hilft, ist mal wieder das Wunderwerk unseres Körpers. Nämlich Oxytocin. Dieses Hormon lässt das Cortisol sinken und baut den entstandenen Stress ab. Da es auch das Kuschelhormon genannt wird, liegt es auf der Hand wie es gebildet wird, nämlich durch Kuscheln. Nach Möglichkeit mit Haut-an -Haut-Kontakt.

Und somit haben wir eine der besten Möglichkeiten gefunden, unsere Kinder in ihrer Trauer zu unterstützen. Mit kuscheln, zuhören und annehmen der Gefühle.

Übrigens hier noch eine wichtige Info zu den dicken Krokodilstränen. Tränen sind eine Strategie unseres Körpers, Stress abzubauen. So enthalten emotionale Tränen nachweislich Stresshormone, die auf diesem Wege aus dem Körper geschwemmt werden.

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