Sollte ich mein Kind von seiner Traurigkeit ablenken?

Kinder erleben tolle Zeiten mit ihren Tieren. Sie spielen, schmusen, lernen Quatsch und wenn es sich so anfühlt, als wenn die ganze Welt gegen sie ist, können sie sich in ihr flauschig weiches Fell kuscheln und die blöden Zeiten einfach ausblenden. Die Bindung, die sich zwischen Kind und Tier aufbaut, ist meist sehr eng und es wird schwer sein, unseren Kindern zu erklären, was passiert ist, wenn das Tier gestorben ist.

Wenn es dazu kommt, dass ein Tier verstirbt, haben wir als Eltern manchmal den ersten Impuls, unser Kind vor der Trauer zu bewahren. Sei es durch das Verheimlichen des Todes oder den überstürzten Kauf eines neuen Tieres. So oft im Leben erhalten wir als Erwachsene die Chance, unangenehme Gefühle einfach auszublenden oder abzustellen. Dabei gehören sie zu uns und zum Leben unserer Kinder.

Kinder haben ein Recht darauf, Gefühle leben zu können. Freude gehört zum Leben genauso wie Traurigkeit, Wut genauso wie Liebe. Unsere Kinder bekommen die Chance, das Leben mit all seinen Gefühlen kennen zu lernen. Und wir als Eltern erhalten die Chance, unsere Kinder auch in dieser schweren Zeit zu unterstützen und für sie da zu sein. Unsere Aufgabe ist es dabei nicht, sie schnellstmöglich wieder fröhlich zu sehen, sondern mit ihnen gemeinsam durch die Traurigkeit zu gehen, schöne Erinnerungen zu teilen und gemeinsam um den gestorbenen Freund zu weinen.

Auch wir als Eltern dürfen bedrückt sein und unsere Trauer zeigen. Unsere Kinder dürfen uns traurig erleben. Sie lernen dadurch den Umgang mit ihren eigenen Gefühlen besser einzuschätzen. Wir Erwachsene merken selbst oft, wenn uns unser Gegenüber anlügt. Nämlich dann, wenn er/sie sagt, dass alles gut ist, obwohl es das nicht ist. Unsere Kinder haben dafür ebenfalls ein sehr sensibles Gespür. Wenn wir versuchen zu lächeln und die Gefühle der Traurigkeit überspielen, merken viele Kinder trotzdem, dass etwas nicht stimmt. Das verwirrt in erster Linie kleine Kinder. Diese können das, was sich verbal und nonverbal äußert, nicht in Zusammenhang bringen. Größere Kinder hingegen verstehen schon einen Zusammenhang. Mama oder Papa möchte nicht darüber reden. Jedoch lernen diese Kinder auch, dass es scheinbar nicht okay ist, diese Gefühle der Trauer zu haben.

Es scheint also manchmal eine schwierige Aufgabe für uns als Eltern zu sein, unsere Gefühle und die Gefühle unserer Kinder auszuhalten. Sie lassen sich nicht abstellen wie ein zu lautes Radio. Wir dürfen sie zulassen und wir dürfen sie aushalten. Auch das Weinen unserer Kinder muss nicht abgestellt werden. Häufig ist es unser Impuls, der an dieser Stelle sagt: „ach hör auf zu weinen“ oder: „jetzt musst du aber langsam mal drüber hinweg sein“. Kinder müssen um ihren Freund weinen dürfen. So oft und so lange sie es benötigen. Trauer verläuft in Wellen. Manchmal denken wir, wir haben es geschafft, und dann erreicht uns eine neue Welle. So geht es unseren Kindern ebenfalls.

Verschiedene Rituale können unser Kind bei der Verarbeitung der Trauer unterstützen. Zusätzlich darf das verstorbene Tier Teil der Familie bleiben, über welches geredet und gelacht werden darf. Unsere Kinder werden uns dankbar sein, wenn sie auch in dieser schwierigen Zeit immer mit einem offenen Ohr empfangen werden und ihr Weinen gesehen wird. Wenn sie das Vertrauen haben können, Fragen stellen zu dürfen, die uns vielleicht unangenehm zu beantworten sind.

Auch in diesem Falle sollte unseren Kindern so kindgerecht wie möglich erklärt werden, was ihre Frage beantwortet. Ein „dafür bist du noch zu klein“ ist dabei wenig befriedigend für das Kind. So fragen sich manche Kinder, ob ihr verstorbener Hund im Grab im Winter nicht friert oder ob er wirklich von Maden gefressen wird. Auch jetzt ist es wichtig, die Antwort nicht einfach mit einem kurzen „der merkt jetzt eh nix mehr“ abzutun. Solche Fragen sind für unsere Kinder wirklich wichtig. Sie zerbrechen sich teilweise die halbe Nacht den Kopf darüber. Wir sollten versuchen diese Fragen mit Fakten kindgerecht zu erklären und gleichzeitig Fragen stellen, um zu erfahren, um was sich unsere Kinder Sorgen machen.

Die Sorgen eurer Kinder interessieren mich. Ich würde mich sehr freuen, wenn ihr mir eine Mail schreibt mit den Fragen, die eure Kinder beschäftigen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.